Die Schleie war im Jahr 2007 in Deutschland und Österreich Fisch des Jahres. Der äußerst hübsche und auch besonders schmackhafte Fisch ist weit verbreitet. Der Name ist Programm, denn die Schleie ist ein besonders schleimiger Fisch, der sich gern im schlammigen Grund und an Stellen mit dichtem Pflanzenbewuchs aufhält. Die Schleie wird sehr gern geangelt, nicht nur, weil sie einfach gut schmeckt, sondern auch, weil sie beim Posenangeln einfach Spaß macht. Erfahrt bei uns auf Angel-Wissen alles über den faszinierenden Schleichkarpfen, seine Lebensweise, die Fortpflanzung und Merkmale des Grundfisches. Natürlich gibt es auch wieder einen kleinen Exkurs zum Scheie angeln, den wir wie immer dann noch richtig ausführlich in einem nächsten Blogbeitrag ausbauen.

Schleie Steckbrief

Synomyme: Schlüpfling, Schuster, Schlei, Schleichkarpfen
Englischer Name: Tench
Wissenschaftlicher Name: Tinca tinca
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Unterfamilie: Tincinae
Größe: bis zu 70 Zentimeter, durchschnittlich 30 bis 35 Zentimeter
Gewicht: bis zu 7,5 Kilogramm
Alter: mehr als 20 Jahre möglich
Körperbau: gedurngen, kräftig, hoher Schwanzstiel
Schuppen: sehr klein, tief in der Oberhaut
Schuppenformel: SL 95-100
Farbgebung: Rücken dunkelgrün bis braun, Flanken heller, Bauch gelblich-weiß
Flossenformel: D IV/8-9, A III-IV/6-7, P I/15-17, V II/8-9
Maul: kurz, vorstülpbar, endständig
Zähne: Schlundzähne
Augen: klein, rötliche Iris
Nahrung: überwiegend wirbellose Bodentiere
Laichzeit: April bis Juli
Laichort: flache, sonnige Uferbereiche mit dichtem Bewuchs
Hauptfangzeit: Mai bis September
Angeltechnik: Grundangeln, Posenfischen
Schnur: monofil

Erkennungsmerkmale der Schleie

Die Schleie kann man eigentlich nicht mit anderen Fischen verwechseln. Besonders auffällig ist ihre extreme Schleimschicht, welche den gesamten Körper überzieht. Auf ihrem länglichen und sehr kräftigen Körper sitzen viele kleine Schuppen, die tief in die dicke Lederhaut eingelassen sind. Im Alter werden die sehr langsam wachsenden Schleichkarpfen etwas hochrückig. Ein besonderes Merkmal der Schleie ist ihr extrem hoher Schwanzstiel, der sie, neben der schleimigen Haut, im Prinzip unverwechselbar mit anderen Fischen macht.

Schleien sind meist grünlich-braun bis olivfarben gefärbt und schimmern leicht golden. Die Grundfarbe kann aber je nach Gewässer und Pflanzenbewuchs variieren. Das kennt ihr ja schon von anderen Fischen. Die Flanken sind etwas heller und haben einen wunderschönen messingfarbenen oder goldenen Glanz. Der Bauch ist meist gelblich bis gelblich-weiß. In dem sehr kurzen Maul befinden sich Schlundzähne. Das Maul kann der Schlei vorstülpen und sieht immer ein bisschen geschwollen aus. Es ist endständig und an den Mundwinkeln finden sich zwei kurze Barteln.

Flossen der Schleie

Die auch Schuster genannten Fische haben stark abgerundete Flossen. Die sehr hohe Schwanzwurzel endet in einer gerade abschließenden Schwanzflosse, die kaum eingebuchtet ist. An den Bauchflossen kann man erkennen, ob es sich um ein männliches oder weibliches Tier handelt. Die Bauchflossen der männlichen Schleien sind deutlich größer als die der Weibchen.

Schleie handgezeichnet

Natürliche Verbreitung der Schleie

Ursprünglich stammen die Schleie aus Mitteleuropa. Bis heute haben sie sich in ganz Europa und in vielen Teilen Asiens mit gemäßigtem Klima ausgebreitet. Bis hin nach Sibirien im Baikalsee kann man den Fisch finden. Nur in Griechenland und sehr weit im Norden Skandinaviens wurden noch keine Schleien gesichtet. Die Schleie lebt in langsam fließenden oder stehenden Gewässern und hält sich dort vorzugsweise am Grund auf. Sie zählt also zu den Grundfischen. In unseren heimischen Seen finden wir sie oft neben Teichbesatz wie Karpfen oder Forelle. Am liebsten wohnt die Schleie in Gewässern mit einem dichten Pflanzenbesatz, denn die Pflanzen sind nicht nur gute Verstecke für die scheuen Tiere, sondern ab und an fressen sie auch mal pflanzliche Nahrung.

Lebensweise und Ernährung der Schleie

Schleien sind enorm widerstandsfähig, denn sie können nicht nur stark saure Gewässer ganz gut wegstecken, sondern auch in eine Hitze- und Kältestarre verfallen. Durch den extrem heruntergeschraubten Kreislauf könne sie so auch Perioden mit extremen Sauerstoffmangel überleben. Deswegen könnt ihr die Fische sogar in kleinen Tümpeln antreffen, in denen sich sonst kaum ein Fisch tummelt. Die optimalen Wassertemperaturen für die Schuster (alte Bezeichnung für die Schleien) liegen zwischen 12 und 26 Grad. Dieser Spielraum zeigt auch die hohe Anpassungsfähigkeit und Robustheit der Tiere. Im Winter graben sich die Schleien auch gern einmal im Schlamm ein und überdauern so die kalten Tage. Sie kommen bis in Höhen von 1600 Metern und im Brackwasser der Ostsee vor.

Die Fische sind zwar nicht als gefährdet eingestuft, aber ihr Habitat wird durch Flussbegradigungen, starke Wasserwirtschaft und viel künstlichen Besatz schon ein wenig angegriffen. Immer mehr neigen die Tiere zur Verbuttung. Das heißt, sie wachsen durch schlechte Umweltbedingungen und einer fehlenden Raubfischpopulation in Besatzgewässern ab einer Größe von 15 Zentimetern nicht mehr weiter, sind aber geschlechtsreif.

Ernährung und Fressverhalten

Im Prinzip ist die Schleie ein Allesfresser. Am liebsten suchen die Tiere sich aber tierische Nahrung, meist in Form von Wirbellosen, am Grund der Gewässer. Schnecken, Muscheln, kleine Krebse und Insektenlarven sind vor ihnen nicht gefeit. Doch ab und an wird der Speiseplan auch durch pflanzliche Kost erweitert. Die heranwachsenden Schleien ernähren sich zunächst überwiegend von Algen.

Fortpflanzung der Schleie

Bei Erreichen einer Wassertemperatur von 18 bis 20 Grad beginnen die Schleien zu laichen. Diese Zeit beginnt meist Ende April und kann sich bis Ende Juli, manchmal sogar in den August hinein, ziehen. Die Fische versammeln sich nun zu größeren Schwärmen und ziehen zu den Laichorten. Diese Plätze befinden sich meist in der Nähe des Ufers, wo es sonnendurchdrungen ist und es viel Pflanzenwachstum gibt. Die Schleie ist ein Krautlaicher bzw. Haftlaicher. Die Weibchen legen an den Pflanzen 200.000 bis 500.000 klebrige Eier ab. Diese sind zwischen einem und 1,4 Millimetern groß. In Abständen von zwei Wochen werden die Eier portionsweise abgelegt, was die Laichzeit bis zu zwei Monaten hinziehen kann.

Nach 3 bis 5 Tagen schlüpfen dann die kleinen Larven und ernähren sich zunächst von ihren Dottersäcken. Bis sie zum Freischwimmer werden, kleben sich die kleinen Tiere an den Pflanzen fest. Dafür haben sie am Kopf ein Drüsenfeld. Sobald sich die Kiemen vollständig entwickelt haben, beginnen die jungen Schleien zu schwimmen und ernähren sich dann von Plankton, ehe sie wie die adulten Tiere am Grund nach tierischer Nahrung suchen. Sie wachsen sehr langsam und werden mit ungefähr vier Jahren dann geschlechtsreif.

gebratene Schleie mit Kräuterremoulade

gebratene Schleie mit Kräuterremoulade

Schleie als Speisefisch

Die Schleie ist ein äußerst wohlschmeckender Speisefisch und schmeckt , obwohl sie soviel gründelt, besser als ein Karpfen. Das Fleisch ist von fester Konsistenz, fettarm und hat ein richtig nussiges Aroma. Ein weiterer Vorteil, der sie als Speisefisch so beleibt macht, ist, dass sie sehr wenig Gräten besitzt. Damit die Schleie nicht dumpf und schlammig schmeckt, sollte sie, vorausgesetzt, ihr habt sie in sehr schlammigem Gewässer gefangen, ein paar tage gewässert werden. Lebendig in frischem, klaren Wasser, versteht sich.

Ihr könnt die Schlüpflinge in allen erdenklichen Methoden zubereiten. Gebraten, gegrillt, gedünstet, aber auch geräuchert schmeckt sie hervorragend. Der Fisch verträgt es wunderbar, wenn ihr ihn etwas stärker würzt oder den Fisch mit geräuchertem Schinken, ähnlich wie bei der Scholle oder dem Zander, kombiniert. Mit diesem feinen Speck umwickelt und Kräutern oder Schinken im Bauch wird sie ein Hochgenuss. IN der jüdischen Küche wird die Schleie im Übrigen nicht gebraten, sondern in Milch gekocht. Im Mittelalter wurde die Schleie nicht nur gegessen, sondern auch als Heilmittel verwendet. Ihr Schleim galt als schmerzlindernd und wundheilungsfördernd.

drei Schleien mit Angel

Schleie angeln

Schleien werden von Sprotanglern mindestens so gern wie Karpfen geangelt. Dabei sind Schleien äußerst vorsichtig und scheu. Erst in der Dämmerung oder gar nur nachts wagen sie sich auf Nahrungssuche. Das sind dann auch die Zeiten, in denen ihr auf Schleie gehen solltet. Oftmals sind die kleinen Schwärmer beim Gründeln durch aufsteigende Sumpfgasblasen erkennbar. Wie ihr euch am besten auf ein Nachtangeln vorbereitet, haben wir euch schon beschrieben. Jetzt braucht ihr für das Angeln von Schleie nur noch die richtige Ausrüstung, den Köder und ein bisschen Geduld.

Schleien werden als geschlechtsreife Tiere, also ab einer Größe von 25 Zentimetern aus dem Wasser geholt. Ihr positioniert euch natürlich am besten dort, wo sie lebt – an Schilfgürteln, im Uferbereich, an Seerosenfeldern. Mit einer Posenangel mit feinfühligen Posen seid ihr gut gerüstet, um den köstlichen Fisch zu angeln. Aber auch eine Grundangel mit Bibberspitze, kleine Bleie oder ein Futterkorb versprechen Erfolg. Wichtig ist, dass ihr eure Ausrüstung, vor allem die Schnur, möglichst leicht wählt, sehr feinfühlig vorgeht und viel Geduld habt, denn die Schleie spielt gern ausgiebig und lange mit dem Köder. Fütter die Schleie nicht mit einem Grundköder ab, sondern lockt mit leichtem Futterangebot wie Maden, Mistwürmern, Mais oder Caster. Wir haben auch für das Schleie angeln noch einen richtig umfangreichen Artikel mit vielen Tipps für Angelgerät und Ködern für euch geschrieben.