Erst kürzlich haben wir der Scholle ein Fischportrait gewidmet und uns diesen besonderen abgeflachten Fisch genauer angesehen. Mit dem abgeflachten ovalen Körper schwebt die Scholle eigentlich auf der Seite. Ähnlich ist es auch bei der Flunder und beide Plattfische werden sehr oft miteinander verwechselt.  In diese Fische mit  Verwechslungsgefahr gesellt sich dann auch noch die Kliesche mit ein, die wir uns ein anderes Mal näher betrachten werden. Heute soll es um die Flunder gehen, die im  2017 im Übrigen Fisch des Jahres war. Wir werden uns das Aussehen, den Lebensraum, die Fortpflanzung und Ernährung des Raubfisches ansehen sowie euch ein paar Angeltipps an die Hand geben.

Flunder Steckbrief

  • Synomyme: Butt bei vielen Anglern, Flindern, Ras
  • Englischer Name: European flounder
  • Wissenschaftlicher Name: Platichthys flesus
  • Ordnung:  Plattfische (Pleuronectiformes)
  • Familie: Schollen
  • Größe: 30 bis 50 Zentimeter
  • Gewicht: bis zu 3 Kilogrammm Durchschnitt 300 Gramm
  • Alter: bis zu 20 Jahre
  • Körperbau: flacher Körper, oval geformt
  • Schuppen: klein, rau und knotig
  • Farbgebung: Nach oben gerichtete Seite bräunlich, nach unten gerichtete Seite weiß
  • Augen: auf der rechten Körperseite
  • Flossenformel: 0/53-62, A 0/37-46
  • Maul: kurz
  • Nahrung: Krebse, Muscheln, Garnelen, kleine Fische, Würmer
  • Laichzeit: Februar bis Mai
  • Laichort: Wassertiefen um die 50 Meter
  • Hauptfangzeit: Mitte Juni bis Ende September
  • Angeltechnik: Brandungsangeln, Bootsangeln
  • Schnur: monofil

Vorkommen und Lebensraum

Die Flunder ist vor allem in den europäischen Meeresgebieten verbreitet. Ihr findet sie im Mittelmeer, im Schwarzen Meer, an der Ostsee, der Nordsee und auch in den Gewässern rund um die britische Küste. Besonders gern hält sie sich im Brackwasser auf und lebt gern in Fjorden und Buchten. Tagsüber graben sie sich gern im Sand ein und nur noch die Augen lugen hervor. Doch der Raubfisch ist auch sehr wanderfreudig. Dadurch, dass die Flunder einen nicht so starken Salzgehalt bevorzugt, trifft man sie auch im Süßwasser der Flüsse an. Flundern wurden zum Beispiel schon im Rhein oder auch in Berlin gesichtet und gefangen. Das Wandern in süße Gewässer ist vor allem eine Marotte der Jungfische. Nach drei bis vier Jahren kehren sie allerdings wieder ins Meerwasser zurück. Dies ist dann auch die Zeit der Geschlechtsreife der Tiere.

Der Name Flunder leitet sich übrigens vom dänischen Flynder ab, daher auch manchmal noch die Bezeichnung Flinder. Viele Angler bezeichnen die Flundern auch einfach als Butte, meist in Kombination mit dem Lebensraum wie Sandbutt oder Elbbutt. Allerdings sind Butte eine völlig andere Fischart und sollten nicht mit den Flundern verwechselt werden.

handgezeichnete Flunder

Aussehen und Merkmale der Flunder

Die Flunder gehört zur Ordnung der Plattfische und ihr auffälligstes Merkmal ist die platte, braun bis leicht grünlich gefärbte Erscheinungsform ihres Körpers. Sie ist oval und asymmetrisch geformt und der Körper wird beidseitig von einem Flossenring umsäumt. Die Körperbreite der Flunder ist etwas geringer als die Körperlänge. Das Schuppenkleid der Flunder sehr rau. An der voll ausgeprägten Seitenlinie haben sich die Schuppen am Ansatz der Rücken- und Afterflosse zu kleinen dornigen Warzen verdickt. Streicht man über die Flunder, fühlt sie sich also richtig rau und knotig an.

Die Färbung der Flunder ist an der oberen sichtbaren Seite meist bräunlich, geht aber auch schon einmal ins Grünliche. Oft schmücken sie braune, gelbe oder auch schwarze Flecken. Manchmal sind die Flecken auch rötlich, was die Verwechslungsgefahr mit der Scholle noch einmal deutlich erhöht. Die Flunder kann sich in ihrer Färbung aber wie die Scholle dem Gewässerboden anpassen. Die nach unten liegende Seite ist meist weiß. Die Flossen bilden einen Saum, der um die Flundern läuft. Die Rückenflosse ist sehr lang und reicht vom Auge bis zum Schwanzstiel. Sie ist nicht geteilt und hat auch keine Stachelstrahlen.

Eigentlich liegen die Augen wie bei der Scholle auf der rechten Seite, aber sehr viele Flundern sind Linksträger, sodass man häufig davon ausgeht, dass dies eines der Unterscheidungsmerkmale zur Scholle ist. Tatsächlich liegen bei circa einem Drittel der Flundern die Augen auf der linken Körperseite. Die Maulspalte ist sehr klein und reicht nicht bis zum Auge.

Die Unterschiede zwischen Flunder, Scholle und Kliesche

Wir haben jetzt sehr oft von Verwechslungsgefahr mit anderen Plattfischen gesprochen. Deswegen wollen wir hier noch einmal in aller Kürze, die Hauptunterscheidungsmerkmale zwischen Flunder, Scholle und Kliesche nennen.

  • Flundern haben sehr raue Schuppen und knotige Warzen im Bereich der Rücken- und Afterflosse. Schollen sind glatt und haben kurz hinter dem Auge 4- 7 Knochenhöcker.
  • Flundern haben meist dunklere, nicht so rötliche Flecken wie die Scholle.
  • Die Kliesche hat im Unterschied zur Flunder eine stark gekrümmte Seitenlinie und eine transparent schimmernde Unterseite. Die Seitenlinie der Flunder ist nur leicht gekrümmt, die Unterseite weiß.

Die besondere Mutation der Flunder

Flunder im sandigen Boden getarnt

Schon im Fischportrait der Scholle sind wir kurz darauf eingegangen, dass sich die Wissenschaftler lange Zeit nicht erklären konnten, warum die Fische so platt sind und ob dies schon immer so war. In diesem Zusammenhang wurde fossile Funde entdeckt, die ein Zwischenstadium der Entwicklung von seitensymmetrischen zum asymmetrischen Fisch zeigen. Diese Evolution macht auch die Flunder, die ja zur Familie der Schollen gehört, in kürzester Zeit in der Entwicklung von der Larve zum Jungfisch durch. Die Augen wandern auf eine Seite und die rechte Körperseite wird zur Oberseite des Fisches.

Forscher der Universität Würzburg wollen nun zusammen mit chinesischen Kollegen herausgefunden haben, welche Gene bzw. Akteure für diese Entwicklung zuständig sind. Sie haben den Genpool der Flunder entschlüsselt und mit dem einer entfernten Verwandten, der Seezunge, verglichen und einen Hauptakteur für den radikalen Körperumbau gefunden. Die Retinsäure bewirkt einerseits die Veränderung der Pigmentierung der Fische und andererseits wirkt sie aber auch auf das Schilddrüsenhormon und veranlasst ein Auge dazu, auf die andere Seite zu wandern. Das Licht spielt bei dieser Umwandlung eine große Rolle. Die Pigmente im Auge der Flundern, die das Licht einfangen, finden sich auch in der Haut der Larven. Diese nehmen die Helligkeitsunterschiede wahr, kurbeln die Retinproduktion an und wirken so auf das Schilddrüsenhormon. Die Umwandlung zum asymmetrischen Fisch wird eingeleitet.

Lebensweise und Ernährung der Flunder

Flundern sind nachtaktiv und tagsüber eher träge. Mit Hereinbrechen der Dämmerung gehen die Schwarmfische auf Beutefang. Als Raubfisch ernährt sie sich im Süßwasser zumeist von Mücken- und andere Insektenlarven und Bachflohkrebsen. Im Meerwasser geht sie auf kleine Krebse, Muscheln, Garnelen und kleine Fische. Sie liebt Würmer, vor allem den Wattwurm und Borstenwürmer.

Fortpflanzung der Flunder

Zur Laichzeit wandern die Flundern an die Küsten der Meere, denn sie benötigen dafür Salzwasser, in dem die Eier schweben können. Auch die im Süßwasser lebenden Tiere, die mit circa vier Jahren geschlechtsreif werden, wandern dann ins Meer und kehren auch nicht wieder in die Flüsse zurück. Der genaue Zeitpunkt ist abhängig von der Temperatur. Bei den Flundern in der südlichen und südöstlichen Nordsee beginnt die Laichzeit meist im Februar und zieht sich bis in den Mai. Im nördlichen Norwegen und auf der Halbinsel Kola laichen die Fische von Ende März bis Anfang Juni.

Das Weibchen legt in einer ungefähren Wassertiefe von 50 Metern, es kann aber auch flacher und auch etwas tiefer sein, zwischen 400.000 und zwei Millionen Eier ab. Sie sind etwa einen Millimeter groß und schweben im Salzwasser. Dafür wird eine Konzentration von 10 o/oo benötigt, da sie sonst zu Boden sinken und absterben. Die jungen Flundern ernähren sich zunächst vom Dottersack und später dann von pflanzlichem und tierischem Plankton. Wie auch bei der Scholle beginnt ab einer ungefähren Körpergröße von 1,5 bis 3 Zentimetern die Umwandlung zum Plattfisch. Ein Auge wandert auf die andere Seite des recht kleinen Kopfes und die Flundern beginnen am Grund der Gewässer zu leben.

zwei Flundern mit Kräutern und Gewürzen

Die Flunder als Speisefisch

Die Flunder ist, ähnlich wie die Scholle, ein sehr beliebter Speisefisch, wenn auch nicht ganz so oft auf unseren Tellern zu finden. Das feste, eiweißreiche Fleisch ist sehr wohlschmeckend und weich. Von Vorteil für den Verzehr ist, dass die Flunder nicht gehäutet werden muss und sehr wenig Gräten hat. Die Zubereitungsmethoden sind ganz vielfältig. Flundern werden gebraten, können aber auch sehr schmackhaft auf dem Grill gegart werden. Besonders gut eignet sich das Fleisch zum Räuchern. Findet ihr tolle Schollenrezepte, dann macht eure Flunder einfach genauso. Am besten schmecken die Flundern übrigens in den Sommermonaten.

Angeltipps für die Flunder

Wenn ihr die Flunder angeln wollt, dann eignet sich am besten die Methode des Brandungsangelns. Aber auch vom Boot aus sind die Erfolgschancen gut. Die beste Angelzeit liegt in den Monaten Mai bis Ende September. Doch auch im Oktober und sogar November sind die Chancen auf eine Flunder noch recht hoch. ZU dieser Zeit sind die Fische aber schon in recht tiefe Gewässer abgewandert, sodass ihr aufs Boot müsst. Wie schon erwähnt, sind die Flundern nachtaktive Tiere, also ist die beste Tageszeit die einsetzende Dämmerung und die Nacht. Lest auch unseren Beitrag zum Nachtangeln.

Die Wahl der richtigen Stelle für den Zielfisch Flunder hängt stark von der Tageszeit ab. Meist wird der Fisch stehend im hüfthohen Wasser an Stränden, in den Brackwasserbuchten oder im Hafenbecken gefangen. Da die Tiere in der Dämmerung ins seichte Wasser wandern, sind  Sandbänke in Wurfweiten zwischen 20 und 120 Metern ideal. Auch Fahrrinnen könne sehr fängig sein.

Angelt ihr vom Ufer aus, dann geht dies am besten mit einer speziellen Brandungsrute, mit der ihr große Wurfweiten erzielen könnt. Benutzt eine monofile Schnur oder spezielle Brandungsschnüre wie Keulenschnüre. Eine stationäre Rolle oder eine gute Multirolle sollte Standard sein. Beim Brandungsangeln nehmt ihr spezielle Brandungshaken, beim Angeln vom Boot aus langschenklige Haken. Die meisten Angler schwören auf den Wattwurm als Köder, den die Flundern einfach unglaublich gern verspeisen. Nehmt aber nicht zu große Exemplare, denn das Maul der Flunder ist ja recht klein. Besonders gute Erfolge erzielt ihr, wenn ihr hinter den Köder noch einen Locklöffel (Buttlöffel) oder einige Perlen schaltet. Vom Boot aus könnt ihr aber auch mit Gummiködern jiggen.  So, wie ihr uns kennt, werden wir sicherlich auch noch eine ganz ausführliche Anleitung zum Flunder angeln mit vielen Tipps zu Montagen, Fangstellen und Ködern schreiben.

 

Die Flunder- Alle Informationen zum Fisch
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